... oder das Lösen von Problemen auf andere Art

 

Das Schöne ist, dass Zukunft in jeder Minute neu entsteht, wenn man es zulässt. So war noch vor einem Tag Tupiza noch eine Zwischenstation und nur mein südlichster Ort, den ich in Bolivien kurz aufsuchen wollte.

Jetzt wird dieser Ort wohl ein interessantes Zusatzerlebnis bringen.

1 Woche mit Mittagsverpflegung und selbst als Mechaniker im Werkstättengelände mitten in Bolivien. Der erste richtige Arbeitstag, nach der Vortagsvorinspektion quasi, begann am 2. Juli um 9 Uhr.

Die Schnecke war bereits nackt und nach der endgültigen Befreiung von der Pritsche begannen die metallurgischen Arbeiten. Es stellte sich heraus, dass die Schäden doch beträchtlicher waren, als voererst bemerkt, zwar nicht lebensbedrohlich für die Reise aber doch so, dass es wohl besser ist, hier zu sein und Hand anzulegen. Aus irgendwelchen Eisenteilen wurden dann die Schweissverstärkungen angefertigt. Dies ging schneidermäßig relative rasch von statten. In der selben zeit entschied ich mich auch selber tätig zu werden, denn vor ca. 6.000 km entdeckte ich einen Schaden am Luftfederbalg, wodurch ich mich entschloss, mir nach Iquique sicherheitshalber Ersatzbalge schicken zu lassen.

Jetzt nachdem die Schnecke im Nacktzustand war, erschien mir der Austausch des angegriffenen, aber noch funktionablen Balges sinnvoll. Zudem arbeitete ich quasi hier in der geschützen Werkstätte, wo mir notfalls die "Autoschlächter" behilflich sein konnten.

Vorüberlegt startete und beendete ich, wohl mit der bolivianischen Arbeitsgeschwindigkeit fast den ganzen Tag brauchend, diese Austauscharbeit erfolgreich, was meinen Mechanikerhorizont doch wieder um Einiges erweitert hat. Natürlich wurde ich ständig auch in Gespräche verwickelt und musste über so ziemlich alles Auskunft geben, insbesondere die Kosten für alles und jedes Ding , das ich mit hatte, waren beliebt zu erfragen. Wahrscheinlich wird dann der Preis für die Mechanikerstunde wieder touristisch angehoben werden, dachte ich mir, war aber dann doch nicht so.

Auch meine doch nicht ganz so schlechte werkzeugausrüstung wurde bis zum letzten schraubenzieher inspiziert und folglich auch verwendet. Kann nur jedem empfehlen, sich NIEMALS billiges Werkzeug zu besorgen, es rächt sich irgendwann. Die bolivianische Mechanikermentalität ist, wie bereits angedeutet, schlichtweg eine besondere. So wurden die Schweissarbeiten durchgeführt und Kollateralschäden blieben leider nicht aus. Wenn man sich bewusst wird, dass so eine Schweisserei an der Innenseite der Karrosse beispielsweise eine ziemliche Hitze benötigt, so darf man sich nicht wundern, wenn an der Außenseite, also lackseitig, über "hot spots" die einst schöne Oberfläche einem Peeling unterzogen wird. Selbes gilt im Nahbereich von vermeindlich nicht lebenswichtigen Plastikteilen, die der Wärmebehandlung natürlich nicht standhielten. Aber zum Zeitpunkt des Schweissens war das nicht das Problem, also auch nicht Mittelpunkt des Überlegens, was denn dann später für eine Schwierigkeit damit auftreten könnte.

Interessant ist auch, dass, obwohl die Mechaniker wirklich alles zu reparieren scheinen, es an grundlegendsten Dingen und logischen Gedankengängen oft fehlt. Das heißt im Klartext, es ist einfach besser immer dabei zu sein und ein paar Gedanken mehr zu haben um nicht dann ein paar tausend Kilometer weiter erneut das Problem zu haben. Es gilt nämlich immer zu bedenken, dass es nicht, wie bei uns, alles um die Ecke zu kaufen gibt.

Die pritschenschweissarbeiten waren relativ rasch erledigt. Der nächste punkt erwies sich als doch heikler als gedacht. nämlich bemerkte ich, dass der Reservetank nicht dicht war. irgendwie ungut wenn man sich der tankinkontinenz bewusst ist, irgendwie denkt man da auch immer an Feuer und Explosionsgefahr, obwohl da ansich nicht so viel passieren kann. Vielmehr ist es der verlustiggehende Sprit, der letztlich abgehen könnte, wenn es wieder einmal mit den Tankstellen im land etwas knapp ist. So wurde der Reservetank sehr mühevoll aus- und später nach getätigten Schweissarbeiten noch mühevoller eingebaut. Das dauerte natürlich seine Tage und, wie sollte es auch anders kommen, war der Tank, obwohl vorher gecheckt, nachher trotzdem nicht dicht. Die materialrisse waren so fein, dass wiederum welche übersehen wurden. Dies hieß dann, 2 weitere Tage in Tupiza zu bleiben. Statt dem sonntäglichen Kirchengang wurde also der geschweisste Reservetank, samt Haupttank, Kardanwelle, Stoßdämpfer und Auspuffanlage ausgebaut. Ein Albtraum, wenn man bedenkt, welche Zusatzprobleme dadurch wieder auftreten könnten. Jedoch diese Befürchtung erwies sich letztlich als fehl am Platz.

Dem Tank wurde der kranke "Körperteil" ambutiert und ein neues Seitenteil in anderer, besserer Schweissmethodik eingebaut. Relativ rasch wurde die Schnecke samt dichtem Tank zusammengebaut, und es scheint jetzt , dass alles funktioniert. Von 1. bis 8. Juli in der Bolivianischen Werkstätte - eine lehrreiche Lebenserfahrung!!