...ripio, ripio, ripio.....

 

Die Bezeichnung "mui ripio" einer Landstraße bekommt für mich eine neue Dimension. Die 200km Strecke, quer durch die bunten Berge, sind ausschließlich in der brutalsten Form der Wellblechausführung zu erfahren.

... aber es hat sich ausgezahlt, obwohl die ersten 70 km eher nicht so interessant und flach verlaufen sind, hat jedoch der zweite Teil enorme Qualitäten hinsichtlich der landschaftlichen Besonderheit aufzuweisen.

Betrachtet man zuerst nur im Google Earth dieses Gebiet, kann man schon erkennen, dass es landschaftlich ziemlich zur Sachen gehen muß. Eine "ziehharmonikaartige" und "bunt" von oben betrachtete Landschaft verspricht schon vieles, aber die Natur bietet dann noch einiges mehr, zumal derartige Landschaftsformen bei uns einfach nicht zu finden und für das "Büroauge" besonders außergewöhnlich, wahrscheinlich auch schön, sind.

Die Besonderheiten sind fotografisch festgehalten.

An besonderen Ereignissen gab es allerdings auch wieder einige .

Zuerst wäre einmal die tolle überraschung der Dieselpreise zu erwähnen. Hier in Uyuni bekommt man bei der einen tankstellen als nicht bolivianer einmal gar keinen Sprit ud wird an die nächste Estacion de Servicio verwiesen und dort zahlt man als touri gleich einmal das 3-fache des Einheimschenpreises liegt dann bei so ca 1 Euro pro Liter Diesel. Naja, immerhin noch billiger als bei uns. Im selben Atemzug bemerkte ich durch einen Hinweis des Tankwartes, dass offensichtlich mein Zusatztank nicht ganz dicht zu sein schien, was sich später bei nochmaliger genaueren kontrolle bestätigte. Die Götter wissen, wie sich der Sprit den Weg gefunden hat, den aus dem Nichts tropft es durch die Tankwand. Idealerweise zeigte die Tankuhr keinen Verlust des Saftes an, was umso "beruhigender" erscheint, wenn man dann den Sprit benötigt. So musste ich aus dem reservetank umpumpen, um nicht noch mehr als die bereits 20 Liter zu verlieren. Darauf folgte die Samariterphase, beginnend mit einem Bolivianischen Piloten, der liegengeblieben war und mich um Wasser für den Kühler "anpumpte". Ok nachdem ich ja auch das Wasser aus diesem Land habe geben ich ihm dieses wieder zurück dafür war ich dann um ein paar Kilo leichter. Kurz später entdeckte ich im Sumpf offensichtlich steckend ein Guanacco. Gut dachte ich, bin ja nicht so, blieb stehen, betrachtete die leidend aussehende Kreatur und beschloss, mit dem Seil das Viehch zu bergen. Dazu musste ich einiges aus dem Auto räumen, um natürlich wie es immer ist, das was man braucht, in diesem fall das Seil ganz zu unterst, aus der Schnecke zu holen. Zwischenzeitlich wartete das Tier auf der anderen Seite des Autos im Gatsch. Also das seil herausoperiert und hin zum Lebewesen und... ich traute meinen Augen nicht stand dieses Mistvieh neben dem Gatschloch mit einem erholten Gesichtsausdruck wie nach dem soeben "abgeseilten Kaktus". Na mehr brauchst nicht.

Ein letztes Mal ließ ich mich erweichen, 2 junge Burschen in den angeblich 5 km entfernten ort mitzunehmen. letztlich waren es 25, aber was sollst den machen, dachte ich mir, und unterhielt mich mit dem einen, soweit es mein nahezu perfektes "Hand und Fuss - Spanisch" zuließ.

beim Aussteigen fragte mich der Gschichtldrucker, ob er was zahlen müsse. Blöd hätte der gschaut, wenn ich den 3fachen Autobuspreis verlangt hätte. So blieb es bei einem feuchtbolivianischen Händedruck. Das wars aber dann für den Tag,was Hilfeleistungen betraf, suchte mir einen geeigneten "Winterstellplatz" abseits der Staubpiste, Minus 12 sollten es nächtens dann doch wieder werden und am nächsten tag ging es in einer sensationellen Landschaft weiter.

Wirklich wie in einem Wildwestfilm anmutend fehlte nur noch die Postkutsche, die grad um das Transportgut erleichtert wurde. Dann wäre die Szenerie perfekt gewesen, stattdessen kommt hin und wieder der Bus vorbei gedüst, hupend und staubend, dass es eine Freud ist. Die folgende Nacht, so dachte ich mir, im Tal des Rio "Irgendwie", sollte wohl etwas feinere temperaturen aufweisen. Doch so kann man sich täuschen und der Rekord von fast minus 16 Grädern, verlangte von der heizung so ziemlich alles ab, und bei frühmorgendlichen 3,7 Grad im Schneckenhaus, brauchte das gerät glatt eine Stunde um den innenraum auf saunerähnliche 14 Grad zu bringen.

10 Grad sind nur relativ viel, womit der Morgenkaffee dann doppelt punktet.

sobald jedoch die Sonnenstrahlen das Schneckenhaus erhellen, wird es recht schnell wieder wärmer und die Aktivitätsgeister erwachen. Es ging dann durch die edle Gegend weiter, allerdings nur 20 Kilometer, denn dann deuteten mir unbekannte, und unangenehme anmutenden Geräusche "irgendetwas" an. Eine längere Kontrolle ergab, dass offensichtlich die wunderbaren Strassenverhältnisse, die jetzt schon seit Tausenden von Kilometernn vorherrschend waren, die Pritsche der Schnecke, die quasi der Sattel der Schnecke für das Schneckenhaus ist, langsam die Verankerungspunkte aufgeweitet, und schließlich vorne rechts einen dieser Punkte ausgerissen war. Welch Freude dachte ich mir, gleichzeitig aber nützte der Ärger schon überhaupt gar nichts. So wurde zuerst einmal zu Mittag gegessen, "Frankfurter"- Würstel (Vienesas de Ave) mit bolivianischer Semmel.

Dann folgte die Tat, und um die Schnecke mit dem Schneckenhaus und dazwischenliegendem "Sattel" besser und kompakte zu verbinden kam der 4 Tonnen - Spanngurt zum Einsatz. Besonders froh um diese vorrübergehenden und funktionierenden Speziallösung ging dann die Fahrt durch die Flusslandschaft bis zum nur mehr 15 km entfernten Ort Tupiza weiter.

nach Abgabe von 15 bolivieros durfte ich dann auch in die 20.000 Einwohnerstadt. Bei der Tankstelle nachgefragt, wo es denn einen "Mechanico, que poede soldar" gäbe, also einen der auch die Schweisskunst beherrscht, zumindest einmal ein solches gerät besitzt, gab es doch glatt einen gleich nebenan. Perfekt, nach einer ersten Inspektion und dem Absetzen des Schneckenhauses gleich nebenan bei der Tankstelle, wurden die Arbeiten sofort aufgenommen. Und hier begann der Kooperation mit den Bolivianischen Mechanikern.

Zimperlich darf man jetzt spätestens mit seinem Fahrzeug nicht mehr sein. Bis zu 7 Bolivianos und ich werkten herum, denn es war notwendig die Pritsche für die Schweissarbeiten auch zu entfernen, was nur im ersten Moment einfach erschien, denn die vielen Kabel mussten natürlich auch gelöst werden, wobei dieser palmoliveartige Ausdruck an dieser Stelle komplett falsch ist. Es wird Hand angelegt, und leider sind mit dieser rohen praktikablen Vorgehensweise Kolateralschäden zu erwarten.

Aber ist anzunehmen, dass es nachher auch wieder problemlos weiter geht, wie auch immer alles wieder zusammengebastelt wird. Jedenfalls ein Härtetest für den Europäer.