REISETAG NUMMER 365 von 9.1.2013 bis 8.1.2014 - DIE ZEIT, DIE ZEIT...... Es ist erstaunlich , wie schnell die Zeit vergeht, jetzt ist schon wieder ein Jahr vorbei, gleich schnell wie jedes andere Jahr auch, jedoch Erlebnisse für mehrere Leben. Das würde man landläufig so sagen, aber es ist mein Leben, das sich eben so abspielt.

Einen visuellen Rückblick der Erlebnisse werde ich hier nicht bringen, ohnedies würde das nur eine Wiederholung meines Logbuches sein.

Hier sind 10 Fragen ohne Prioritätenreihung, deren Beantwortung das vergangene Reisejahr am besten charakterisiert.

 

1.) "WO HAT ES MIR AM BESTEN GEFALLEN?"

 

jedes Land, ob Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador, Columbien, Panama oder derzeit Costa Rica, hat seine besonderen Seiten. Ausschlaggebend ist das, was ich in dem Augenblick der Reise erlebt und welches Gefühl ich dabei hatte, als ich am Erleben war. Der Vergleich danach ist verfälscht, weil es immer etwas Besseres und Schöneres gibt, vorallem im Rückspiegel.

Aber ein Land möchte ich trotzdem besonders erwähnen und lediglich mit ein paar Worten beschreiben.

BOLIVIEN: EINSAMKEIT - KULTUR - BEGEGNUNGEN - NATÜRLICHKEIT - WEGE - GEFÜHL

....es war sensationell

 

2.) "WIE IST DENN DAS LEBEN IM SCHNECKENHAUS?"

 

Zugegebenermaßen sind die knappen 8m² etwas wenig, allerdings nach dem Motto "KLEINES HAUS - GROSSER GARTEN" lebt es sich sehr fein. Nein, mir fehlt kein Luxus, auch die Badewanne geht mir nicht besonders ab, in Anbetracht des eher unbewusst, verschwenderischen Wasserverbrauches, den man Zuhause hat, schon gar nicht.

Ich musste mich daran gewöhnen, mich quasi händisch um Wasser zu kümmern, das Klo regelmäßig zu leeren, zu schauen, wo man mit der Schnecke nächtigen kann und zeitweise auch woher man passablen Sprit herbekommt, genauso wie auf die tägliche Stromerzeugung durch die Solaranlage zu achten ist.

Die Reise wird mit der Zeit zum Leben.Der tägliche Ablauf entwickelt sich, der Urlaubscharakter, den so mancher vermutet, schwindet bald einmal. Der Tourist wird zum Nomaden. Das Jahr im Schneckenhaus, zeitweise auch zu zweit, wenn Nici dabei war, ist sensationell verlaufen, eine Lebenserfahrung, die fast unschlagbar ist. Ein bisserl erinnert es mich an die erste Studentenunterkunft, wo man im Regelfall auch so ziemlich alles in einem Zimmer hatte.

Die Ausstattung der Schnecke ist in Anbetracht der Reise auch recht komfortabel, vorallem, wenn es draußen saukalt und regnerisch ist. Zwar gibt es keinen offenen Kamin, aber die Heizung leistete bislang außerordentlich gute Dienste und erzeugte immer noch Behaglichkeit, wenn es außerhalb 16 "Gräder" unter Null hatte. Natürlich ist auch die Gasversorgung regelmäßig sicherzustellen, was jedoch in keinem Land ein besonderes Problem darstellte.

 

3) "HAT ES GEFÄHRLICHE SITUATIONEN GEGEBEN?"

 

Vorweg muss ich mich für die vielen gut gemeinten Ratschläge und Gefahrenhinweise durch die Daheimgebliebenen bedanken. Gut gemeint, aber zu 99% zu vergessen. Es fehlt den Leuten einfach an persönlichen Erfahrung, und fast alle unterschätzen die Landesdimensionen, sowie auch die Tatsache, dass es überall gefährliche Gegenden gibt, und auch hier nicht hinter jeder Ecke ein Bewaffneter lauert. Das leidliche "Negativdenken" produziert gerne Probleme dort, wo primär gar keine sind.

Ich möchte an dieser Stelle besonders erwähnen, dass ich es nicht verschreien will, aber mir erging es nahezu ausnahmslos gut und ich hatte auch nicht wirklich gefährliche Situationen zu meistern.

Das heisst, zu gefährlichen Situation hätten manche Dinge werden können, jedoch wenn man in der Gegenwart lebt und den Konjunktiv, als gramatikalische Raffinesse der Sprache, außer Sichtweite schiebt, dann bleiben meist Situationen, einfach nur Herausforderungen, die, sollten sie tatsächlich ein augenblickliches Problem darstellen, eben auch in diesem Augenblick gelöst werden müssen. Es ist einfach enorm wichtig, seinem Gefühl Vertrauen zu schenken, die persönliche Intelligenz einzusetzen, den Einheimischen und auch die Sicherheitskräfte, von denen es an allen Ecken und Enden welche gibt, nach möglichen Gefahren zu befragen und Erfahrungsberichte anderer Reisender entsprechend abzuwägen. Ein paar Dinge sind mir gestohlen worden, aber im Grunde genommen, war ich da selber schuld.

Ich vermeide es in der Nacht zu fahren, da sehe ich tatsächlich ein erhöhtes Risiko, obwohl ich in den letzten mehr als 30.000 km kaum Unfälle gesehen hatte. Das Fahren ansich funktioniert mehr oder minder fast überall in Südamerika nach einem anderen prinzip als bei uns. Wer zuerst da ist, fahrt zuerst, bei uns undenkbar, in Südamerika scheint das ohne Ärger zu funktionieren und akzeptiert zu sein. Die Bedeutung des "Gefahrenhinweisschildes", durch dessen allzu häufige Verwendung der "Westmensch" jegliches Denken und folglich auch seine Eigenverantwortlichkeit aufgibt, hat diese für mich verloren. Selbiges gilt für den Versicherungswahn, den die meisten haben bzw. auch ich hatte.

Das bekannte Unwahrscheinliche wird so derartig in den Mittelpunkt gerückt, dass das unbekannte Wahrscheinliche erst gar nicht angedacht wird - ja das ist unsere Heimatwelt.

In Südamerika lauft das irgendwie anders.

 

4) "WAS IST DENN EIGENTLICH DER ZWECK MEINER REISE?"

 

Das wurde und werde ich oft gefragt - gemeint ist da wahrscheinlich der berufliche Zweck, und dazu ist folgendes festzuhalten. Mein Ziel war und ist es, berufliche Tätigkeit und Leben, die, so scheint es mir, gesellschaftlich mit aller Kraft getrennt werden, als eine Sache zu betrachten. Das einzige Wort, welches mir dazu für eine Gesamtbetrachtung einfällt ist die Bezeichnung der "BERUFUNG" und die Suche danach.

Die Reise selbst ist kein Selbstfindungstrip, vielmehr die Suche nach den fehlenden Bausteinen für meine Berufung. Diese ist mir schon seit der Kindheit aufgefallen, aber erst in den letzten Jahren bewusst geworden.

Allerdings konnte ich diese bislang fast nur auf der Seite des "Lebens" und kaum beruflich auch tatsächlich verwirklichen. Das mag an verschiedensten Gründen liegen. Die Reise dient mitunter dazu, diesen Günden nachzugehen, beziehungsweise mich persönlich, innerlich selber zu "veredeln".

Die Zeit des Reisens, das Erfahren und Lernen und die unzähligen Impulse dienen dazu, die Energie für die Umsetzung meiner "Berufung", zu bündeln.

 

5) "IST ES BESSER ALLEINE ODER ZU ZWEIT ZU REISEN?"

 

Beides hat seine Vorteile und schöne Seiten. Beide Situationen erzeugen unterschiedlicheste Erlebnisempfindungen.

Der Vorteil des Alleinereisens ist, man muss alles alleine entscheiden, was wiederum eine andere Dynamik erzeugt. Der Vorteil an der Zweisamkeit ist das gemeinsame Erleben und, dass man eben nicht alles alleine entscheiden muss.

 

6) "WIE IST DER PLAN? WANN KOMME ICH WIEDER?"

 

Also ich für meinen Teil, das erfahren im übrigen auch andere Reisende, habe bemerkt, dass der PLAN tatsächlich DER ERSATZ DES ZUFALLS DURCH DEN IRRTUM ist. Das ist nicht einfach so daher geredet und ein schlauer Spruch.

Ich habe bemerkt wie hinderlich oder teilweise wie überflüssig Pläne sind. Durch unsere "Kultur" werden wir plangemäß in eine Jacke gesteckt, ob wir wollen oder nicht, und von Anfang an wird geplant, ausgerichtet und vorhergesagt. Leider fragen sich die wenigsten, was denn aus den Plänen letztlich geworden ist. Man möge nur einmal die Prognosen bzw. Vorhersagen im Nachhinein überprüfen, was denn da alles gestimmt hat - meist erstaunlich wenig.

Das "ja, aber ...." hör ich schon jetzt!!

Natürlich ein paar Dinge muss man wohl ins Kalkül ziehen, und es ist gut, ein paar Pflöcke für den Weg zur Orientierung einzuschlagen. Auch Meilensteine haben ihre Bedeutung. Und wenn jemand seine ganze Reise auf GPS-Datenpunkte plant, soll er das auch machen. Man ist zwar schneller dort, hat aber auch weniger, abseits des Weges, erfahren.

Meine Erfahrung ist jedoch, gewisse Dinge passieren zu lassen, ohne es vorher zu planen. Einer meiner Pflöcke, und damit beantworte ich die 2. Frage in der Überschrift ist, das ich im 4.Quartal 2014 wieder nach Hause kommen möchte und mit ziemlicher sicherheit aus heutiger Sicht auch werde.

Wenngleich ich den Zeitpunkt noch nicht kenne, eine Sache weiß ich 100%. Ich kann mir bereits jetzt das "Heimkommgefühl" vorstellen, und wenn ich ganz ehrlich bin, freu ich mich, sogar mit einer Träne im Auge, schon jetzt wahnsinnig darauf.

Mögen aber zwischenzeitlich noch viele Erlebnisse folgen.

 

7) "WORAUF FREUST DU DICH AM MEISTEN?"

 

Das ist ganz einfach gesagt: "AUF DAS HEIMKOMMEN!!"

...aber vorher gibt es noch eine Aufgabe zu erledigen!

 

8) "WIE KOMME ICH SPRACHLICH (SPANISCH) ZURECHT?"

 

Also Sprachengenie war ich noch nie. Interessanterweise habe ich jetzt erst tatsächlich bemerkt, wie ich Sprachen am besten lernen kann.Und die Frage oben ist eigentlich falsch. Man müsste eigentlich fragen: "bekommst Du das, was Du brauchst underreichst Du das, was Du willst, beziehungsweise kannst Du das erfragen, was nötig ist?"

Das kann ich mittlerweile sagen - ja das geht gut. Es ist zwar eine Mischung aus verschiedenen Sprachkonstruktionen und Gebärdensprache für Anfänger, aber ich schaffe es fast ausschließlich ohne Wörterbuch.

Und wenn die Anforderungen steigen ist Lehr- und Wörterbuch schnell zur Hand.

Lernen für fiktive Situationen ist nicht meines, wenn etwas Neues passiert, muss ich eben schneller lernen. Und damit lauft es prächtig.

 

9) "HATTE ICH SCHWIERIGKEITEN MIT DEM AUTO?"

 

Ja natürlich, in irgendeiner Form hat das fast jeder Langzeitreisende. Jedoch wächst man mit dem Problem auch teilweise ganz schön über sich hinaus.

Einiges würde ich jetzt auch anders machen, bin ja auch "gscheiter" worden, und habe schließlich verschiedenste Erfahrungen nun selber gemacht.

Ich musste 11 Mal die Reifen flicken, in werkstättenreichweite aber auch in der Einsamkeit auf 4300m Seehöhe.

an manchen Ecken und Enden musste ich die Schnecke verstärken, weil - oh Wunder - unsere Asphaltkarossen, auch wenn sie wie Geländewagen aussehen, nicht für den mittelharten Einsatz gebaut sind.

Der Supergau war sicherlich der rahmenbruch, allerdings konnte ich diesen professionellst beheben lassen, wodurch die Schnecke auch dementsprechend verstärkt und voll einsatzbereit wurde.

Das ganze Fahrzeug ist ein Bastelwerk, aber auch ich als Nichtmechaniker kam letztlich mit vereinten Kräften wieder in den grünen Bereich.

 

10.) "WAS FEHLT MIR AM MEISTEN?"

 

Ich klammere jetzt bewusst meine Freundin und meine Eltern aus.

Das Schwarzbrot und die Badewanne ebenfalls.

Was mir am meisten fehlt ist: "Die Freude meiner Neffen, wenn ich sie besuchen komm!!"

 

DANKE LEBEN!!!

 

STATISTIKDATEN:

 

Reisezeit: 365 Tage

Anzahl der Länder ab Südamerika: 9 (Uruguay, Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Panama, Costa Rica)

Reisekilometer (mit der Schnecke gefahren):34165km

Grenzübertritte mit der Schnecke: ca.15

max. Entfernung von Zuhause (Luftlinie): ca. 13730km (Salzburg/Ushuaia)

langstes Durchgehendes Schotterstraßenstück: 430km (Bolivien)

Größte Höhe mit der Schnecke: ca 4950m Seehöhe (Bolivien)

Diesel getankt:"muchos litros" (muss ich noch zusammenrechnen)

Anzahl der Tankstellenstopps: muss ich auch noch nachzählen

Größter Durchschnittsverbrauch:24,5l/100km (4500m Seehöhe)

geringster Durchschnittsverbrauch:10l/100km

Reifenschäden: 9

Werkstättenaufenthalte (mit mindestens 1 ganzen Tag): 3

Anzahl der Kloentleerungen (wichtig):67

Anzahl der Gasflaschenfüllungen:ca. 10x (a 5,5kg)

Reisezeit alleine: 252 Tage

Reisezeit zu zweit: 113 Tage

Diebstehle: 3 (2x kleidung / 1x Handy)

Anzahl der unterschiedlichen Übernachtungsplätze:221

westlichster Punkt (ab Erreichen von Südamerika):Jaco (Costa Rica)

Östlichster Punkt(ab Erreichen von Südamerika): Montevideo (Uruguay)

Südlichster Punkt(ab Erreichen von Südamerika):Ushuaia (Argentinien)

Nördlichster Punkt(ab Erreichen von Südamerika):Cabo Vela (Kolumbien)

Tiefste "Nachttiefstaußentemperatur": -15,2°C

Tiefste Innentemperatur: +3,7°C

höchste "Nachttiefstaußentemperatur":+27,2°C