Alaska gemeinsam mit Nici.

 

Die vergangenen 14 Tage waren sehr sehr fein, weil mich Nici wieder ein Stück, das letzte Stück der Hauptaufgabe nach Norden, begleitet hat. Ehrlich gesagt bin ich darüber sehr froh über die Begleitung in diesem Abschnitt, weil ich doch auch ein bisserl ein mulmiges Gefühl hatte. Zeitlich sind dem Aufenthalt in US Grenzen gesetzt, der Dalton Highway ist auch nicht der kürzeste, und die Schnecke ist auch schon etwas überlastet, was plötzliche Gebrechen nicht sicher ausschliessen lässt. Dazu kam auch noch der Rückflugtermin von Nici, den zu versäumen es ebenfalls zu vermeiden galt. So hatte ich "westweltgemäss" meine Zukunftssorgen - wohl eine gute Übung für daheim.

 

Aber - wie ebenfalls bereits gelernt - kam es anders und Neues, Unerwartetes gestaltete die Zeit, und letztlich hat wieder alles wunderbar gepasst. Sorgen sind halt doch ungeeignet für die Zukunftgestaltung.

 

Also, die Zeit war toll, der nördlichste Punkt, Deadhorse gemeinsam mit der Schnecke, Prudhoe Bay dann mit dem Bus ist erreicht. Das Schönste war nicht das Wetter, jedoch die Tatsache, dass wir, also Nici, die Schnecke samt Schneckenhaus und ich, nach 580 Tagen und rund 52000 km seit Ushuaia in Argentinien jetzt den nördlichsten Punkt hier in Alaska gemeinsam wieder erreicht haben. Eine Träne konnte nicht vermieden werden und ehrlich gesagt bin ich sehr stolz auf die Zielerreichung. Nicht wegen des Erreichens ansich, sondern wegen der unzähligen Erlebnisse und Erfahrungen und Herausforderungen der letzten 20 Monate. Gott sei Dank begrenzte ich den Sorgenkatalog vorweg, weil sonst hätte ich wahrscheinlich etwas anders entschieden, was vielerlei betrifft.

 

Ich habe gelernt, ein gutes Geschäft mit dem Leben gemacht, fast ein bisserl schwierig, alles jetzt im Überblick abrufbereit im Kopf zu behalten. Deshalb mach ich hier keine Aufzählung der schönsten Erlebnisse. Alles wird zur rechten Zeit erfolgen.

 

ALASKA - ein schönes Land - jedoch wohl anders, als es sich normalerweise der Besucher, sowie auch ich, vorstellt. Im Normalfall bemüht man den Reiseführer in Buchform, oder das Internet, letztlich jedoch mit Sicherheit eines oder mehrere der unzähligen Visitor Center.

 

In einer Informationslawine wird man von Foldern, Heften, Werbungen, Karten und Ausflugsangeboten überschüttet, wie wenn es kein morgen gäbe. Die Entscheidungen fallen nicht leicht, denn fast jeder kann etwas Besonderes berichten, und fast hat man das Gefühl, hinter jeder Ecke lauert ein Bär, oder an jedem Milepoint wartet der Elch, um mit einem auf ein Bier zu gehen. Ganz abgesehen von den unzähligen Jägern, ob Fischer oder sonstige Hunter, die sind saisonalbedingt unübersehbar, aber die "Viehcha" zeigen sich lediglich nur im Prospekt optimal, dort auch noch bei perfektem Wetter versteht sich

 

. Also man braucht ein bisserl Glück, aber abgesehen vom subjektiven Erlebnisbericht jedes Einzelnen, sind die Chancen ein paar Naturlebewesen zu sehen doch noch als eher hoch einzustufen. Bärenmässig jedoch habe ich gemeinsam mit Nici nur den Schuhabdruck eines solchen sehen können, dafür trafen wir jedoch einige Jagdgenossen bei der Karibuverfolgung.

 

Diese ist besonders erwähnenswert, da am Dalton Highway, die Schotterstrasse, die am weitesten nach Norden führt, bereits weit oben im Norden die Karibuherden anzutreffen sind, und gesetzlich verordnet, die Tiere dort in einem 5 Meilenkorridor nur nach Indianerart erlegt werden dürfen, also nur mit Pfeil und vorteilhafterweise dazugehörigem Bogen. Das finde ich echt fair, den geruchsbedingt hat es der zeltelnde Jäger eh nicht so leicht gegen das Tier und die Entfernung für den Beschuss mit dem Pfeil übertsteigt die 50 Meter auch nicht so weit. Somit ist die Chancengleichheit relativ wieder hergestellt. Nicht wie in Idaho, südlich des Yellowstone NP, wo mit Halbautomatik und Nachtsichtgerät, der Halbwüchsige auf " fair play" macht.

 

Das Wetter in Alaska war mit ein paar Ausnahmen nicht optimal bestellt, aber das ist eben Alaska. Einige Programmpunkte musste ich als "Reiseleiter" wetterbedingt umstellen oder streichen, dafür wurden verschiedenste Fortbewegungsmittel benutzt. Das eigene Boot, das geliehene Seakayak, der 5-sitzige und einmotorige Gletscherflieger, die Fähre, und hauptsächlich die Schnecke, welche brav ihren Dienst leistet. Die Strecke ist sehr beachtlich, so legten wir weit über 3000km in den 18 Tagen gemeinsam zurück. Mit Start in der falschen Hauptstadt Alaskas, nämlich Anchorage, im Übrigen eine unattraktive Stadt, fuhren wir nach Seward, dann nach Whittier, von dort mit der Fähre bei echtem Sauwetter nach Valdez, welche die namengebende Hafenstadt des berühmten Strandtankers ist.

 

Von Valdez ging es dann entlang der dort ankommenden Pipeline bis zu deren Ausgangspunkt nach Prudhoe Bay mehr oder minder grad hinauf, Fairbanks passierend über den Dalton Highway in den Norden. Bei sich besserndem Wetter boten sich schöne alaskatypische Landschaften. Und den Polarkreis bei ca. 66 Grad nördlicher Breite konnte sogar bei Sonnenschein überschritten werden. Der nördlichste Punkt dieser Reise, nach 52000km seit der südlichsten Station in Ushuaia im März 2013, ist nun am 13. August mit folgenden Koordinaten im persönlichen Geschichtsbuch vermerkt: 70.32218 Grad Nördliche Breite / 147.88658 Grad Westliche Länge. Die Schnecke durfte nur bis Deadhorse mit, die 30 km Strecke bis zur Prudhoe Bay, lässt sich BP busmässig teuer vergüten. Jedenfalls - AUFGABE ERFÜLLT :-) <\p> Aufgrund der dort eher ungemütlichen (ausser im Schneckenhaus) Nebelwetterstimmung nahmen wir die 414 Daltonmeilen wieder in Angriff zurück nach Fairbanks. 300 km davon durften wir auch die regenbedingt zur Gatschpiste gewandelte LKW- Rennstrecke kennenlernen. Lediglich 2 Steinschlagkontakte mit geringem Windschutzscheibenschaden (interessantes Wort) wurden verzeichnet. Dafür wieder ein paar Tierkontakte, wie bereits erwähnt. Auch dort sahen wir wilde "muskoxen" gemütlich in der Kälte lungernd.

 

Wieder Fairbanks erreicht, ebenfalls eine nichtssagende Stadt, konnte der leer gefutterte Kühlschrank wieder gefüllt werden. Der Abschluss des Niciaufenthaltes war noch ein schneller 200km Abstecher zum "Stemped Trail". Genau dort hin wo "Alex" Chris McCandless seinen letzten Weg "INTO THE WILD" nahm. "Den" Bus, erreichten wir leider nicht, dazu war die Zeit zu kurz und die Ausrüstung dafür nicht parat, jedoch erscheint diese Tatsachengeschichte nun doch in einem gänzlich anderen Licht. Die Seltsamkeit der Zufälle faszinieren mich immer wieder. Im Jänner 2013 auf dem Containerschiff von Frankreich nach Uruguay bekamen wir zufällig diesen alten Film "INTO THE WILD" in die Hände, dann entdeckten wir zufällig vor 2 Wochen in Anchorage selbiges Buch, immer noch nicht wirklich die Örtlichkeit des Dramas registrierend, und nun kamen wir mehr oder minder zufällig genau an diesen Platz, wo das Ende seinen Anfang für diesen Burschen nahm. Mit dem Mount McKinley in der Nähe wanderte dieser "Andersdenkende" in die Wildnis.

 

Am 18.8. ging dann die Reise wieder von Fairbanks alleine weiter, und wie soll es auch anders kommen (fast muss ich schon über solche Zwischenfälle lachen!), kam mir plötzlich nach Registrierung der Tatsache am Parkplatz des Fairbanks Home Depot (die hiesige Bauhausvariante) folgender berühmte Satz in den Sinn: "Houston, wir haben ein Problem!" - am Schneckenrahmen konnte ich eine Fraktur erkennen. Und ich muss ja noch 9000km nach Hause gahren und in 2 Tagen aus Alaska visabedingt heraussen sein.

 

Zum Lachen war mir in dieser Sekunde nicht gerade, aber neue Türen öffneten sich, so auch die Werkstättentür eines Firbankschweissers, und so konnte ich mit 24 Stunden Verzögerung Richtung Canada aufbrechen und wieder lachen.

 

"SALZBURG ICH KOMME!" Sendung erfolgte über das iphone von: Dr. Gerfried Swoboda friedl@impulsartive.at www.impulsARTive.at Die Kunst, Menschen zu bewegen