Auf dem Heimwe(h)g - 1.Etappe

Gut, dass es Heimweh gibt.

 

Nach der ausgedehnten Alaskarunde, grossteils zusammen mit Nici und der Hauptzielabsolvierung,dem Erreichen des nördlichsten Punktes der Reiseunternehmung, ist es nun Zeit geworden, den Rückzug um ein paar Längengrade nach Osten anzutreten. Einen Plan dafür gibt es nicht wirklich nur einen terminlichen Meilenstein in Halifax, den es bis zum 13. November abzuhaken gilt. Wer sich einmal eine Canadakarte zur Hand nimmt merkt, dass dieses Land recht groß ist und eine Ost-West-Querung routenmäßig gar nicht so klar und eindeutig ist, wie es mir zuerst den Anschein tat. Je nördlicher man im Land bleiben will desto mühsamer ist es nach Osten zu kommen und verglichen mit dem Nord-Süd-Streckenfortschritt ist die Ost-West-Streckenbewältigung das Dreifache, was den Zeitaufwand betrifft.

 

Nachdem also Nici wieder abgereist war, startete ich von Fairbanks aus Richtung Canada. Ich hatte noch 3 Tage Zeit, weil die 3 Monate Aufenthaltsgenehmigung in den USA abliefen. Dies ist in Wirklichkeit sehr dumm seitens Amerika aber offensichtlich notwendig, damit der Reisende ja nicht zu viel Geld im Land lässt. Andererseits ist es Gang und Gäbe, dass alte Baumaschinen und sonstige Fahrzeuge aller Art, einfach so in der Natur abgestellt werden dürfen, und dort warten, bis die Natur alles geregelt hat. Naja so ist es halt mit den Regeln und Gesetzen.

 

Eine kleine Zeitverzögerung gab es noch in Fairbanks, weil ja der Rahmen wieder einmal gebrochen war. Im übrigen wurde ich ausgelacht, wie schon ein anderes Mal, weil der Rahmen meiner Schnecke eher der Goldschmiedefeinhandwerkskunst entspricht und nicht der Stahlindustrie. Sie nannten doch glatt meinen Rahmen einen Papierrahmen, womit sie durchaus recht hatten. Ich wollte mir gar nicht die hiesigen Autorahmenkonstruktionen ansehen, denn da kamen mir, gleichzeitig den Blick auf meine Schnecke gerichtet, schlichtweg die Tränen. Aber das nächste Mal frag ich nicht die sogenannten Experten, die haben nämlich von den meisten Dingen eh keine wirkliche Ahnung. Aber, wie wohl die meisten aus eigener Erfahrung wissen, ist die Eigenerfahrung die allerbeste und nicht das Geschwätz von den selbsternannten Wissenden.

 

Jedoch muss ich sagen, nachdem ich den Schaden bemerkte, war aus besagten Zeitgründen eine schnelle Aktion der Schweissung in die Wege zu leiten. Ich sprach irgendeinen Mann, der einen ordentlichen PickUp fuhr und mir ins Auge stach auf einem Parkplatz an, mit der Frage um einen geeigneten schweissenden Mechaniker.

 

Ich hatte tatsächlich einen sehr hilfsbereiten "Einheimischen" Osteuropäischer Abstammung getroffen, und der nannte mir entsprechende Kontaktdaten und vereinbarte auch gleich telefonisch einen Instandsetzungstermin für den folgenden Tag. Tagsdarauf konnte die Fraktur mit den sehr feundlichen Leuten der Werkstätte und großem Eigenaufwand - ich demontierte die Ladefläche meiner Schnecke zum Zwecke der Erreichbarkeit der Schadstelle und zur finanziellen Leistbarkeit der Reperaturunternehmung fast gänzlich selber - geschweisst und der Bereich zusätzlich verstärkt werden. Also so startete ich dann los Richtung Canada, und eine Stunde vor Grenzschluss passierte ich die imaginäre Linie über den Weg des "TOP OF THE WORLD HIGHWAY".

 

Wahrlich eine schöne Strecke, zumal wenigstens einmal die Straße am Kamm der Berge entlang lief und nicht, wie fast sonst immer im Tal. Gleich nach der Grenze fand ich dort oben auch einen geeignet erscheinenden Platz, um wenigstens einmal desnächtens Nordlichter beobachten zu können. 2 Nächte lauerte ich und fotografisch konnte ich die Lichter letztlichbei klarer Nacht entsprechend belichtet festhalten.

 

Von dort führte der Weg dann zur legendären Goldgräberstadt Dawson City, wohl eine der wenigen Orte, die wenigstens ein bisserl eine Athmosphäre bieten, allerdings lässt sich auch hier der energielose morbide Gesamteindruck der Ortschaften in diesen Gegenden nicht abstreiten. Einst und noch heute suchen sie um Dawson herum nach Gold. Ein Zeitzeuge ist die liegengebliebene größte Abbaumaschinerie "Dredge No.4"

 

Das Wetter meinte es aber insgesamt weiterhin nicht sehr gut und so verliefen die weiteren Strecken meist in einem eher schlechten Herbstwetterambiente, wahrscheinlich dem Sommerwetter daheim in Österreich entsprechend angepasst. Der Gipfel des Schlechtwetters war eine 10 cm Schneedecke auf dem Schneckenhaus, nachdem es bereits die 3 Tage zuvor bei 5 Grad ständig regnete. Aber alles ist noch zu toppen. Nämlich - das Wasser suchte sich einen Weg ins Schneckenhaus, und das nicht zu schwach. Bei der Kälte und erschwerten Trocknungsversuchen werden dann Abdichtungsmaßnahmen nochmals eher nicht für den Erfolg bevorzugt, aber es galang nach mehreren Testläufen zumindest halbwegs einmal. Denn - eh klar - es regnet natürlich nach der erfolgten Abdichtmaßnahme zu Testzwecken ob der Dichtheit nicht gleich wieder, sondern man muss geduldig wieder abwarten und dann, wenn es wieder einen Tag lang geregnet hatte, rinnt es natürlich nicht gleich wieder an derselben Stelle rein und das bei Tageslicht, nein erst um 4 Uhr in der Früh irgendwo anders natürlich. Mein Unzufriedenheitsskala musste in den Negativbereich erweitert werden, aber trotzdem versuchte ich das Lachen nicht zu verlernen und Zukunftssorgen für den Moment aufzuheben, wenn die Probleme tatsächlich da sind. Mit diesem kurzen Ausflug in so manche Reiseproblematik soll nur einmal auch festgehalten werden, dass Canada, also vorallem in diesen Breiten nicht immer mit Wildnisromantik am knackenden Lagerfeuer bei Sternenhimmel und Bär sowie Elch im Unterholz gleichzusetzen ist.

 

Nach dieser Lerneinheit, ich hoffe, es kommen nicht mehr allzuviele, beschloß ich, eher wieder gegen Süden zu fahren, um der Kälte zu entfliehen. Die gut ausgebaute Straße führte mich von Dawson City nach Whitehorse, Watson Lake (mit dem Schilderwald, dz. 78.000), Fort Nelson, Fort Saint John dann wieder über Prince George immer weiter in den Süden. Die Orte allesamt sowie teilweise leider auch die Landschaft, auf der Attraktivitätsskala im unteren Bereich.

 

Es ist halt nicht immer so, wie im Hochglanzreiseführer vortäuscht ;-) Aber glücklicherweise liefen mir auch ein paar der heimischen Tieren, wie Bären und auch sogar ein Luchs über den Highweg und landschaftlich passierte ich dann doch noch einige Gegenden, die besondere Energien auszustrahlen schienen. Allerdings war es dort nicht mehr der Bär, der mir begegnete, sondern der bärenspraybewaffnette Bustourist.So verzeichnete der Lake Muncho Provincial Park besonders hohe Wertungsergebnisse und die später folgenden Canadischen Rockies punkteteten ebenfalls nicht zuletzt wegen des warmen Sonnenscheins mit türkisen Seen, Gletschern und eindrucksvollen Kalkbergriesen wie der höchste der canadischen Rockies, der Mt. Robson. Mit dem Süden kam wie gesagt auch wieder die Wärme und der Sonnenschein zurück --> war des fein und so wechselte ich die Nachtgardarobe von Winteroutfit 3-lagig auf sommerlich 1-lagig und wagte sogar wieder die kurze Montur!